Amber Dermont, In guten Kreisen

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An dem Morgen, als ich achtzehn wurde, warf mein Vater mir anstelle eines Geburtstagsgeschenks seinen Autoschlüssel zu und teilte mir mit, ich sei jetzt endlich Manns genug, um das Steuer seines Cadillacs zu übernehmen.

Amber Dermont siedelt ihren Debütroman Ende der 1980er Jahre in Neuengland an. Im Mittelpunkt steht Jason Prosper, gerade 18 geworden und auf dem Weg in die Bellingham Academy, ein teures Internat an der Atlantikküste. Diese Schule ist die letzte Hoffnung für Schüler wie ihn, die an anderen Schulen Probleme gemacht haben und deren Eltern mit ausreichend Geld und Ansehen ausgestattet sind. Er trifft dort einige alte Bekannte aus New York, doch eigentlich interessieren ihn Geld und Glamour nicht. Einige Monate zuvor hat er seinen besten Freund Cal verloren, er nahm sich das Leben. Gemeinsam waren sie ein eingeschworenes Duo, als Freunde wie auch beim Segeln. Doch Jason ist unschlüssig, wie sein Leben weitergehen soll und was er überhaupt daraus machen will. Er ist anders als seine Mitschüler, er versteht sich mit denen, die den Ton angeben ebenso wie mit einigen Außenseitern. Ganz besonders interessiert ihn Aidan, eine Mitschülerin, die immer stärkere Faszination auf ihn ausübt. Jason scheint wieder Fuß zu fassen im Leben, bis durch ein einziges Ereignis sein Leben erneut komplett auf den Kopf gestellt wird und er wieder das verliert, was ihm am wichtigsten ist.
Es ist für mich eine sehr fremde Welt, in die Amber Dermont ihre LeserInnen mitnimmt. Sie zeigt, was oftmals hinter der glamourösen Fassade steckt, häufig erschreckende Dinge, die zeigen, dass manche Menschen durch ihr Aufwachsen in elitären Kreisen jegliche Moral und Anstand vermissen lassen. Jason ist manchmal hin- und hergerissen, und im Laufe des Buches wird klar, dass auch er keine weiße Weste hat. Puzzleartig setzt sich die Geschichte zusammen, mal spielt sie in der Gegenwart, dann kommen wieder Rückblenden, um verständlich zu machen, wie Jason zu dem wurde, was er ist. Bisweilen mutet das Buch fast krimiartig an, es ist sehr spannend geschrieben. Mir wurde eher durch Kleinigkeiten imer wieder bewusst, dass es Ende der 80er spielte, weil beispielsweise Handy und Computer keinerlei Rolle spielten – und das Autotelefon des Bruders ist darin der neueste Schrei! Keine leichte Kost, das Buch hat noch länger in mir nachgehallt, und ich bin irgendwie sehr froh, dass diese Welt mir auch weiterhin sehr fremd ist.

Das Buch ist im mare Verlag erschienen.

L.

 

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