Teresa Margolles

Die mexikanische Künstlerin Teresa Margolles befasst sich mit der Thematik des Todes.
Sie tut dies sehr direkt in der Arbeit mit Toten, diese sind in ihren Arbeiten physisch präsent.

Ausgehend von ihrer Arbeit als Gerichtsmedizinerin in Mexico City hat sich die Künstlerin intensiv mit der Sterblichkeit der Menschen auseinandergesetzt.

Teresa Margolles überführt vergangenes Leben durch künstlerische Interventionen in die Wahrnehmbarkeit und entreißt damit ‚ihre’ Toten dem anonymen Verschwinden.

In Mexico können sich viele Menschen die Bestattung ihrer Angehörigen nicht leisten.
Durch ihre Arbeit bewahrt Teresa Margolles die Verstorbenen davor als anonymer menschlicher Abfall zu enden. Den Toten wird in den Werken der Künstlerin ein letztes Denkmal gesetzt.

Es sei darauf hingewiesen, dass der Umgang mit dem Tod in der mexikanischen Kultur eine andere Qualität hat als in Westeuropa. Der Tod ist im Alltag präsent.
Die Wirkung von Margolles Arbeiten ist daher außerhalb dieser Tradition besonders radikal.

Eine 1999 entstandene Arbeit zeigt einen kleinen Betonblock von 200 x 400 x 600 mm. Scheint die Arbeit auf den ersten Blick der Minimal Art zugehörig, bekommt sie durch den Titel „Entierro“ eine andere Dimension. Margolles Betonblock erinnert an die Arbeiten von Bruce Nauman, der in den 1960er Jahren Gegenstände in Beton eingegossen hat, um auf die Kluft zwischen dem Wissen um den Inhalt und der Wahrnehmbarkeit dieser Gegenständen aufmerksam zu machen.

Ihre 2003 entstandene Installation „En el aire“ zeigt eine weitere Dimension einiger Arbeiten Margolles. Seifenblasen mit Wasser aus dem Leichenschauhaus, mit dem die Leichen vor der Autopsie gewaschen werden, schweben auf die Besucher des Raumes nieder und bringen diese – unwissend – in direkten Kontakt mit den Toten. Auch wenn das verwendete Wasser desinfiziert wurde wird hier das Element der Übergriffigkeit auf den Kunstbetrachter deutlich.

Ähnlich eindringlich ist auch ihre Arbeit „What else could we talk about?“ mit der sie 2009 den Mexikanischen Pavillion auf der Biennale in Venedig bespielte. Hierbei wischten Angehörige namenloser Opfer des mexikanischen Drogenkriegs die glatten Böden des Palazzo Rota-Ivancich mit dem Blut ihrer Verwandten.

Zur Ansicht.

Margolles Arbeiten rufen, angesichts des konkreten Umgangs mit dem Tabuthema Tod, zweifellos kontroverse Meinungen hervor.

Ihre minimalistische, nahezu einfache Formsprache bekommt im Zusammenspiel mit der sich dahinter befindenden Geschichte eine enorme Ausdruckskraft.

J.

Zitat: Kittelmann, Udo u. Klaus Görner (Hrsg.): Teresa Margolles – Muerte sin fin. Ausstellungskatalog. Ostfildern-Ruit 2004, S. 17.

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